Alphabet – eine Filmkritik

Dieser Tage lief in den österreichischen Kinos der neue Film des Dokumentarfilmers Erwin Wagenhofer an. In seinem Film Alphabet lässt Wagenhofer unterschiedlichste Menschen zu Wort kommen, die mit dem Thema Bildung, Schule und Leistungsdruck zu tun haben. Es wird aber nicht wie zu oft in der Öffentlichkeit darüber gesprochen, ob wir eine Ganztagsschule brauchen, eine Gesamtschule, oder ob doch Eliteschulen den besseren Bildungserfolg versprechen. Nein, Wagenhofer bzw. seine Protagonisten im Film setzten eine Stufe tiefer an.

Soll es beim Thema Bildung um Erziehung, oder doch eher um Beziehungen gehen? Wird bei uns im Wort Unterricht, das Richten zu stark bewertet? – Zum einen richten Lehrer, wenn man so will, über gut und schlecht, zum anderen sehen viele Leute die Schule nur dazu da, um junge Menschen zurecht zu richten, dass sie in das bestehende Wirtschaftssystems passen.

Im Film zu Wort kommt z.B. ein chinesischer Professor, der am Bildungssystem seines Landes erkennt, dass die Kreativität der Kinder absolut unterdrückt wird, ja es wird sogar im Film davon gesprochen, dass die Kinder ihre Eltern beneiden würden, denn die Erwachsenen hätten wenigstens einige Stunden Freizeit in der Woche. Der Koordinator der in den letzten Jahren so oft zitierten PISA-Tests sieht die Situation der Kinder ganz anders – China kann ein Vorbild sein, was junge Menschen im Stande sind zu leisten. Aber selbst der PISA Fan kommt im Laufe des Films ins Grübeln ob kurze Schlafenszeiten und extremer Leistungsdruck wirklich zielführend sind.

Stark betont wird auch, dass unser Bildungssystem ein Kind des Industriezeitalters ist. Da wurden für die Wirtschaft wenige „Studierte“ wie Örzte, Anwälte gebraucht, die Administration des Staates benötigte einige Personen mit mittlerer Bildung und für die Masse der arbeitenden Bevölkerung war eine „Grundbidung“ ausreichend. Dass diese Aufteilung heute schon längst überholt ist, wird im Bildungssystem nicht einmal irgendwie abgebildet.

Untermauert werden solche Aussagen mit Fakten aus psychologischen Tests und Test der Hirnforschung, die z.B. aussagen, dass bei Geburt 98 Prozent aller Kinder auf irgendeinem Gebiet hochbegabt sind. Unsere Erziehung, oder auch Bildung schafft es, dass von diesen 98 Prozent als Baby, nur 2 Prozent hochbegabte Erwachsene übrig bleiben.

Wagenhofers Film Alphabet, geht vielleicht beim ersten Ansehen nicht so unter die Haut wie seine Früheren Filme „We feed the World“ oder „Let’s make Money“, aber er ist mindestens so sehenswert. Der Film ist wohl einer der besten Hilferufe, dass wir auch beim Thema Bildung am Holzweg unterwegs sind und es einen richtigen Paradigmenwechsel bräuchte, nach dem Kinder wieder Freude am Lernen und noch viel wichtiger am Leben haben.

Weitere Infos zum Film:
www.alphabet-film.com

fth

fth steht für Franz T. Hauser: ist Anfang 30 und lebt in der kleinen Oststeirischen Bezirksstadt Weiz. Er arbeitet freiberuflich an diversen Softwareprojekten und beschäftige mich nebenbei noch mit Dingen wie, "grünem" Lebensstil, guten Filmen, Politik und was sonst noch alles in seinem Gehirn herumgeistert ...

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