Armut in Österreich

Der 17. Oktober ist der Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut. – Das erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1992. An diesem Tag sollen folgende Anliegen thematisiert werden:

  • den Widerstand der von Armut betroffenen Menschen gegen Elend und Ausgrenzung würdigen
  • den Not leidenden und ausgegrenzten Menschen Gehör verschaffen und mit ihnen ins Gespräch kommen
  • sich mit den Allerärmsten dafür einsetzen, dass die Rechte aller wirklich für alle gelten

Ich möchte hier einen kleinen Blick auf die Armut in Österreich werfen, wobei ich überzeugt bin, dass einige hier dargebrachten Thesen auch für Deutschland oder die ganze EU Gültigkeit haben, andere wieder nicht.

Gibt es in einem der reichsten Länder Europas, zu denen Österreich gezählt wird überhaupt Armut? – Ja die gibt es und sogar in größerer Zahl als vielfach angenommen wird. Rund eine Million Menschen in Österreich sind armutsgefährdet.

Wie kann man zu so einer hohen Zahl kommen, wenn es doch so vielen Menschen in anderen Ländern so viel schlechter geht?
Armut ist ein relativer Begriff, der immer auch von der Lebensumgebung der Menschen abhängig ist. Natürlich kann man in vielen Ländern von Monatseinkommen von 900 Euro nur träumen und wäre dort ein wohlhabender Mensch, aber jeder von uns wird erkennen, dass man mit dem selben Betrag in Österreich nicht sehr weit kommt. Man könnte versuchen Armut wie folgt zu definieren:

  • Man ist mit seinen Zahlungen im Rückstand
  • Die Wohnung kann nicht ausreichend geheizt werde
  • Man kann sich nicht zumindest einmal die Woche Fleisch oder Fisch leisten
  • Zahnarztbesuche werden vermieden
  • Auf neue Kleidung wird verzichtet
  • Man kann es sich nicht leisten einmal im Monat Freunde einzuladen

Diese Liste könnte vielleicht noch ergänzt werden, aber sie zeigt schon, dass es bei Armut im ersten Moment nicht darum geht ob man schon salopp gesagt unter der Brücke schlafen muss, sondern Armut bedeutet auch, am üblichen gesellschaftlichen Leben nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt teilnehmen zu können.

Die Gründe für Armut in einem reichen Land sind mannigfaltig. Besonders bedroht von Armut sind Haushalte von AlleinerzeiherInnen, kinderreiche Haushalte, Singlehaushalte. Prekäre Arbeitsverhältnisse, oder psychischen Erkrankungen tragen noch ihr übriges dazu bei.

Hier ergeben sich aber auch schon Ansätze wie man der Armut im Land weiter gegensteuern kann. Prekäre Jobs, endlose Kaskaden von Praktikern, typische Niedriglohnbranchen könnte man politisch relativ leicht abstellen. Aber natürlich muss schon auch die Frage erlaubt sein, wie es in einem Sozialstaat mit derartig hohen Ausgaben an Sozialleistungen möglich sein kann, dass es noch immer eine so hohe Zahl an Armutsgefährdeten gibt. Noch dazu steigen die Haushaltseinkommen in Österreich auch nach der Wirtschaftskrise, das ist ausser in Dänemark nirgend wo sonst in der EU. – Gleichzeitig aber verdoppelt sich auch die Anzahl der wirklich Armen im Land. Diese Gleichzeitigkeit ist schwer zu begreifen. Ersteres ist sicher ein Verdienst des Sozialstaates – für letzteres müssen wohl Fehlleistungen im Sozialstaat verantwortlich sein. Diese Fehlleistungen können auch damit zu tun haben, dass viele Soziale Angebote nicht ausreichend kommuniziert werden, oder dass es in ländlichen Regionen nach wie vor eine große Scheu gibt, entsprechende Angebote anzunehmen.

Geht die Schere zwischen arm und reich weiter auseinander, so bedeutet das mehr Krankheiten und geringere Lebenserwartung, weniger Vertrauen in den Staat und seine Gesetze, damit verbunden
vollere Gefängnisse, mehr Gewalt usw. Das heißt Armut ist nicht nur für den einzelnen Betroffenen schädlich, sondern man kann sagen Armut schadet der ganzen Gesellschaft und muss daher bekämpft werden.

fth

fth steht für Franz T. Hauser: ist Anfang 30 und lebt in der kleinen Oststeirischen Bezirksstadt Weiz. Er arbeitet freiberuflich an diversen Softwareprojekten und beschäftige mich nebenbei noch mit Dingen wie, "grünem" Lebensstil, guten Filmen, Politik und was sonst noch alles in seinem Gehirn herumgeistert ...

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