Die Liebe des Pazifisten zum Heer

– oder warum eine Leistungsschau des Österreichischen Bundesheeres 1,3 Millionen Menschen anzieht, wenn es Kriegsgerät zu bestaunen gibt.

Es hat mittlerweile schon eine gewisse Tradition, dass um den österreichischen Nationalfeiertag das Österreichische Bundesheer am Wiener Heldenplatz eine, wie es vom Heer bezeichnet wird, Leistungsschau abgehalten wird. Dabei sind mitten in Wien Hubschrauber, schwere Kampfpanzer und noch einiges mehr an Kriegsgerät zu besichtigen. Gestern Abend schon wurde von Heeresseite erfreut bekanntgegeben, dass sich 1,3 Millionen Besucher am geschichtsträchtigen Heldenplatz einfanden, um sich für das Kriegsgerät zu interessieren.

Wenn man bedenkt, dass Wien derzeit ca. 1.750.000 EinwohnerInnen hat, so ist diese Zahl an Interessierten wirklich beeindruckend. Natürlich werden es nicht nur WienerInnen gewesen sein, aber immerhin eine gute Zahl zu der man dem Österreichischen Bundesheer gratulieren muss. Man könnte jetzt meinen die ÖsterreicherInnen interessieren sich einfach dafür wofür ihr Steuergeld ausgegeben wird. Sie wolle sich überzeugen, dass den SoldatInnen nur die beste Ausrüstung zur Verfügung steht, und dass diese auch besonders motiviert sind.

Wer jetzt aber die Stimmung in Österreich kennt, den mag der obere Absatz, bzw. die vom Bundesheer bekanntgegebene Besucherzahl schon etwas verwundern. So auch mich.

Am 20. Jänner 2013 fand in Österreich eine Volksabstimmung darüber statt, ob das Österreichische System mit einer Wehrpflicht, bzw. einem Zivildienst beibehalten werden soll, oder ob man auf ein reines Berufsheer umsteigen soll. Diese Abstimmung ging mit knapp 60 Prozent der Stimmen für die Beibehaltung der Wehrpflicht aus. Bis hierher könnte man jetzt meinen, das deckt sich wunderbar mit den viele Besuchern der Leistungsschau und der Österreicher ist stolz auf sein Bundesheer. Natürlich würde ich das hier jetzt nicht so schreiben wenn es meiner Meinung nach nicht auch ein großes ABER gäbe:

Sieht man sich die Motive der WählerInnen bei der Abstimmung an, so wurden in erster Linie die folgenden genannt: (Quelle Wikipedia)

Die Befürworter der Wehrpflicht führten vor allem an:

  • der Zivildienst muss erhalten bleiben (knapp 75% der Befragten)
  • Besser für den Katastrophenschutz -(um die 63 %)

Selbst die Befürworter des Berufsheeres meinten immerhin zu 36 % dass ein Berufsheer besser für den Katastrophenschutz geeignet wäre.

Vergleicht man nun die Motivation der Bevölkerung vor zehn Monaten bei der Volksabstimmung mit den Besucherzahlen der Veranstaltung man Nationalfeiertag, so muss schon die Frage erlaubt sein, wieso interessieren sich so viele Menschen für ausgestelltes Kriegsgerät, wenn doch so viele Menschen das Bundesheer in erster Linie als bessere Katastrophenschutzeinheit sehen. Selbst bei dem für europäische Staaten sehr niedrigem Wehrbudget Österreichs hat jeder Minister immer große Kritik vom Boulevard einzustecken wenn neues Kriegsgerät angeschafft werden soll. Abgesehen von teilweise intransparenten Entscheidungen bei welchem Rüstungskonzern gekauft wird, heißt es fast bei jedem Einkauf, wozu brauchen wir das? Einzig die Beschaffung von Gerät, das auch bei Überschwemmungen, Lawinenabgängen oder sonstigen Naturkatastrophen Verwendung finden kann gibt es wenig Kritik.

Man könnte also fast meinen in Österreich leben fast nur Pazifisten, die jeglichen Waffenkauf ablehnen.

Umso spannender sehe ich dann aber doch das gewaltige Interesse der Bevölkerung wenn es darum geht sich mit einem Panzer fotografieren zu lassen, oder einfach auch nur in Reih und Glied marschierenden Jugendlichen zuzusehen.

Für mich passt das so nicht zusammen, oder man könnte auch sagen, das ist wieder typisch Österreichisch …

fth

fth steht für Franz T. Hauser: ist Anfang 30 und lebt in der kleinen Oststeirischen Bezirksstadt Weiz. Er arbeitet freiberuflich an diversen Softwareprojekten und beschäftige mich nebenbei noch mit Dingen wie, "grünem" Lebensstil, guten Filmen, Politik und was sonst noch alles in seinem Gehirn herumgeistert ...

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